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  • Ilse_Ritz

Die Linde

Botschafterin für Liebe und Gemeinschaft - im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Baumkrone und Blätter zeigen die Form eines Herzens. Die zarten, unregelmäßig geformten Blätter hängen wie abertausende von kleinen Herzen an diesem stattlichen Baum. Alles an der Linde ist sanft, weich und herzlich, daher wird sie auch als Baum der Liebe und der Gemeinschaft bezeichnet.

Seit Jahrhunderten wurden Linden am Dorfplatz gepflanzt. Der Platz bei der Linde war der Platz, wo man sich zum geselligen Zusammensein traf oder auch um Angelegenheiten der Gemeinschaft zu beraten und galt als Treffpunkt der Liebenden. Unter den Linden wurden Verträge geschlossen – diese wurden durch Aufdrücken des Daumens an den Baumstamm bestätigt. Bei den Slawen und Kelten war die Linde ein heiliger Baum. Die Linde schützte vor Unrecht und diente auch als Gerichts- und Richtbaum, wo durch Schiedsspruch Streit zu Frieden gelindert wurde. Die Linde, die der Göttin Freya gewidmet war, ermöglichte es, die Wahrheit zu finden

Die Linde gehört zu den Haus- und Sippenbäumen. Eine Hoflinde ist mit der dort lebenden Familie über Genertionen hinweg verbunden. In dem Baum wohnen die Ahnen und die Seele der Hofgemeinschaft lebt in dem Baum. Der Hausbaum ist auch ein Tor zur Anderswelt. Unter seinem Stamm werden den Ahnengeistern und den Hauskobolden Opfergaben wie Brot, Milch oder Bier darbegracht. Bis in die Neuzeit war es Brauch, am Donnerstag Abend Milch oder Bier auf die Wurzeln zu sprengen, um Unglück von Mensch und Vieh fernzuhalten und um mit den Baumgeistern, den Erdleuten und Zewergen in Frieden zu leben. Von einem solchen Hofbaum durfte kein Holz, ja nicht einmal ein Blatt entnommen werden.

Nach alter Überlieferung hält die Linde dämonische Einflüsse fern und schützt vor Blitzschlag. Sie ist ein Schutzbaum, stellt die Mutter Erde und den Lebensbaum dar, ist also ein Symbol der Mutter und der Fruchtbarkeit. Das Christentum hat aus der Linde einen Marienbaum gemacht, eine Beschützerin des Lebens und der Liebe. Ein Lindenbaum wird gepflanzt, wenn in der Familie ein Stammhalter geboren wird. In manchen Ggenden ist es auch Brauch, eine Linde zu pflanzen, wenn das erste Mädchen in die Familie geboren wird.

Die Linde befähigt die Menschen ihre Lebensträume zu verwirklichen und bewahrt vor Enttäuschung und Mutlosigkeit. Sie hat eine starke, friedliche Ausstrahlung und hilft uns, über den begrenzten Horizont des irdischen Lebens hinauszublicken. Unruhigen und gehetzten Menschen spendet die Linde einen angenehmen, erholsamen Platz, wo innere Stille, Ruhe und Frieden einkehren kann.

Die Linde gedeiht am besten an großen, freien Plätzen, wo sie sich ausbreiten kann. Man findet die Linde dort, wo Menschen sich ansiedeln – sie sucht die Nähe der Menschen. Lindenbäume blühen erst nach dem 20. Bis 30. Lebensjahr. Enzeln stehende Exemplare erreichen ein Alter von bis zu tausend Jahren.

Die Linde besitzt aussergewöhnliche Heilkräfte, insbesondere bei Erkältungskrankheiten, Husten, Schnupfen, Bronchitis wirkt Lindenblütentee „lindernd“. Bei entzündeten und ermüdeten Augen helfen Kompressen aus warmen Lindenblütentee. Aus dem Holz der Linde wird Lindenkohle hergestellt, welche fein pulverisiert eingenommen, desinfizierend wirkt und Giftstoffe und Säuren im Magen bindet. 1 bis 2 Messerspitzen Lindenkohle als Tagesdodis hilft bei Erbrechen, Blähungen, Darmerkrankungen und Sodbrennen. Die heilige Hildegard von Bingen sagt, dass zum Schlafen im Sommer frische Lindenblätter auf die Augen und ganze Gesicht gelegt werden sollen, dadurch würden sich die Augen klären und reinigen.

Das Holz der Linde wird zum Schnitzen von Madonnen und Statuen verwendet. Schon die ältesten Ikonenbilder wurden auf Lindenholz gemalt.






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